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Duftwissen

Wie Parfüm entsteht – Herstellung und Geschichte

Parfüm entsteht in drei großen Schritten: Zuerst werden Duftstoffe aus Pflanzen gewonnen oder im Labor hergestellt, dann komponiert ein Parfümeur oder eine Parfümeurin daraus ein Duftkonzentrat, und zuletzt wird dieses Konzentrat in Alkohol gelöst, reift einige Wochen, wird gefiltert und abgefüllt. Wie stark ein Duft ist – Parfum, Eau de Parfum oder Eau de Toilette –, hängt davon ab, wie viel Konzentrat im Alkohol steckt.

Aktualisiert: Oktober 2026Lesezeit: 12 Min.Von der myParfum-Redaktion
Inhalt dieser Seite
  1. Parfümherstellung im Überblick
  2. Die Rohstoffe: natürlich und synthetisch
  3. Gewinnungsverfahren: vom Rohstoff zum Duftöl
  4. Die Komposition: Arbeit der Parfümeur:innen
  5. Mischen, Reifen, Filtern, Abfüllen
  6. Konzentrationen: Parfum, Eau de Parfum, Eau de Toilette
  7. Die Geschichte des Parfums
  8. Der Flakon: Bedeutung und kurze Geschichte
  9. Grasse heute

Parfümherstellung im Überblick

Ein Parfüm ist im Kern eine Lösung: Duftstoffe, gelöst in Alkohol. Klingt schlicht – doch hinter jeder Flasche stecken Ernten auf mehreren Kontinenten, chemische Verfahren, viele Hundert Testmischungen und oft Monate oder Jahre Entwicklungszeit. Wenn du wissen willst, wie man Parfüm macht, hilft es, den Weg in Etappen zu denken:

  1. Rohstoffe: natürliche Duftstoffe aus Pflanzen und synthetische Duftstoffe aus dem Labor.
  2. Gewinnung: Aus Blüten, Schalen, Hölzern oder Harzen werden ätherische Öle, Absolues oder Extrakte gewonnen.
  3. Komposition: Ein Parfümeur oder eine Parfümeurin kombiniert Dutzende Stoffe zu einer Formel.
  4. Mischen und Reifen: Das Duftkonzentrat wird mit Alkohol verdünnt und reift einige Wochen.
  5. Kühlen, Filtern, Abfüllen: Trübstoffe werden entfernt, dann kommt der Duft in den Flakon.

Die einzelnen Schritte schauen wir uns jetzt genauer an – und danach die lange Geschichte des Parfums, vom Räucherwerk der Antike bis zur Duftstadt Grasse.

Die Rohstoffe: natürlich und synthetisch

Fast jedes moderne Parfüm mischt natürliche und synthetische Duftstoffe. Beide haben ihre Stärken, und „natürlich“ heißt nicht automatisch besser oder verträglicher.

Natürliche Rohstoffe

Duft steckt in sehr vielen Pflanzenteilen:

  • Blüten: Rose, Jasmin, Tuberose, Orangenblüte, Ylang-Ylang.
  • Fruchtschalen: Bergamotte, Zitrone, Orange, Mandarine, Grapefruit.
  • Blätter und Kräuter: Patchouli, Geranie, Minze, Basilikum, Lavendel.
  • Hölzer und Wurzeln: Sandelholz, Zeder, Vetiver, Iriswurzel.
  • Harze und Balsame: Weihrauch, Myrrhe, Benzoe, Labdanum.
  • Samen und Früchte: Tonkabohne, Vanille, Kardamom, Pfeffer.

Manche Naturstoffe sind extrem aufwendig: Für ein Kilogramm Rosenöl braucht man mehrere Tonnen Rosenblüten, die zudem früh am Morgen von Hand gepflückt werden. Andere, etwa Orangenöl, fallen in großen Mengen und vergleichsweise einfach an.

Früher spielten auch tierische Rohstoffe eine Rolle – Moschus aus dem Moschushirsch, Zibet, Castoreum vom Biber und Ambra aus dem Pottwal. Heute werden diese Noten in der Parfümerie praktisch nur noch synthetisch nachgebildet, teils aus Tierschutzgründen, teils weil der Handel streng reguliert ist. Wenn auf einer Packung „Moschus“ steht, ist fast immer ein synthetischer Moschusduft gemeint, etwa ein weißer Moschus.

Synthetische Duftstoffe

Seit dem 19. Jahrhundert kann man Duftmoleküle im Labor herstellen. Synthetische Stoffe haben mehrere Vorteile:

  • Sie riechen von Charge zu Charge gleich, unabhängig von Ernte und Wetter.
  • Sie ersetzen tierische oder geschützte Rohstoffe.
  • Sie bringen Duftrichtungen hervor, die es in der Natur so nicht gibt – zum Beispiel die frische, meerige Note, die viele aquatische Düfte prägt.
  • Sie machen Blüten „riechbar“, aus denen sich kaum ein Öl gewinnen lässt, etwa Maiglöckchen oder Flieder.

Bekannte Beispiele sind Hedion mit seiner luftigen, jasminartigen Frische, Iso E Super mit einem samtig-holzigen Eindruck oder Ambroxan, das einen warmen, ambraartigen Ton liefert. Viele Parfüms, die heute als „sauber“ oder „modern“ empfunden werden, bauen stark auf solchen Molekülen auf.

Gewinnungsverfahren: vom Rohstoff zum Duftöl

Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt davon ab, wie empfindlich der Rohstoff ist und wo der Duft sitzt. Hitze verträgt nicht jede Blüte, Fruchtschalen geben ihr Öl dagegen schon unter Druck frei.

Wasserdampfdestillation

Die Destillation ist das klassische Verfahren für Parfüm-Destillation und ätherische Öle. Heißer Wasserdampf strömt durch das Pflanzenmaterial und reißt die flüchtigen Duftmoleküle mit. In einem Kühler kondensiert der Dampf wieder zu Flüssigkeit. Weil sich ätherisches Öl und Wasser kaum mischen, trennen sie sich in einem Auffanggefäß, der Florentiner Flasche: Das Öl schwimmt meist oben und wird abgeschöpft.

Zurück bleibt ein leicht duftendes Wasser, das Hydrolat. Das bekannteste Beispiel ist Rosenwasser. Destilliert werden unter anderem Lavendel, Rosen, Patchouli, Vetiver, Sandelholz und viele Kräuter. Für sehr zarte Blüten wie Jasmin eignet sich die Methode schlecht, weil die Hitze den Duft verändert.

Kaltpressung

Bei Zitrusfrüchten sitzt das Öl in winzigen Drüsen in der Schale. Es wird ohne Hitze mechanisch herausgepresst – früher von Hand mit Schwämmen, heute mit Maschinen, die die Schalen anritzen und auspressen. So entstehen die frischen Öle von Bergamotte, Zitrone, Orange oder Grapefruit, die in vielen Kopfnoten und in der Duftfamilie Zitrus stecken.

Lösungsmittelextraktion und Absolue

Für empfindliche Blüten wie Jasmin oder Tuberose nutzt man ein flüchtiges Lösungsmittel, meist Hexan. Es löst die Duftstoffe zusammen mit Wachsen und Farbstoffen aus den Blüten. Nach dem Abdampfen des Lösungsmittels bleibt eine wachsartige Masse, das Concrète. Dieses wird mit Alkohol ausgewaschen, gekühlt und gefiltert, damit die Wachse ausfallen. Wird der Alkohol entfernt, erhält man das Absolue – ein dickflüssiges, sehr konzentriertes Duftöl, das dem Geruch der frischen Blüte oft sehr nahe kommt.

Aus Harzen und Balsamen gewinnt man auf ähnliche Weise sogenannte Resinoide, etwa aus Benzoe oder Labdanum.

Enfleurage: das historische Verfahren

Bevor es moderne Lösungsmittel gab, nutzte man in Grasse die Enfleurage. Dabei wurden Blüten auf Glasplatten gelegt, die mit geruchlosem Fett bestrichen waren. Das Fett nahm den Duft auf; die verwelkten Blüten wurden immer wieder durch frische ersetzt, oft über Wochen. Am Ende war das Fett gesättigt und hieß Pomade. Mit Alkohol wusch man die Duftstoffe anschließend aus.

Die Enfleurage eignete sich besonders für Blüten wie Jasmin und Tuberose, die auch nach dem Pflücken noch Duft abgeben. Weil sie extrem viel Handarbeit kostet, ist sie heute praktisch verschwunden und wird höchstens noch zu Vorführzwecken oder in kleinem Rahmen betrieben.

CO2-Extraktion

Ein neueres Verfahren arbeitet mit Kohlendioxid. Unter hohem Druck wird CO2 „überkritisch“: Es verhält sich dann wie ein Lösungsmittel, löst die Duftstoffe aus dem Pflanzenmaterial und verdampft anschließend rückstandslos, sobald der Druck sinkt. Weil das Verfahren bei niedrigen Temperaturen läuft, riechen CO2-Extrakte oft sehr nah am Ausgangsstoff – Vanille, Pfeffer oder Ingwer zum Beispiel wirken darin besonders natürlich. Der Nachteil: Die Anlagen sind teuer.

Die Komposition: Arbeit der Parfümeur:innen

Aus Hunderten von Rohstoffen ein stimmiges Parfüm zu bauen, ist die Aufgabe von Parfümeurinnen und Parfümeuren, umgangssprachlich auch „Nasen“ genannt. Sie lernen über Jahre, Tausende Duftstoffe am Geruch zu erkennen und vorherzusehen, wie sie sich gemeinsam verhalten.

Die Duftorgel

Der klassische Arbeitsplatz heißt Orgel: ein Tisch mit stufenförmig angeordneten Regalen, in denen Fläschchen mit Rohstoffen stehen – ähnlich wie die Register einer Kirchenorgel. Die Parfümeurin hat so ihre „Töne“ griffbereit. Heute wird viel am Computer geplant und von Laborkräften oder Waagen-Robotern gemischt, die Idee ist aber dieselbe.

Akkorde und Duftpyramide

Auch die Sprache der Parfümerie ist musikalisch. Ein Akkord ist eine Verbindung aus mehreren Duftstoffen, die zusammen einen neuen, eigenständigen Eindruck ergibt – so wie mehrere Töne einen Klang bilden. Ein bekanntes Beispiel ist der Chypre-Akkord aus Bergamotte, Labdanum und Eichenmoos, der einer ganzen Duftfamilie den Namen gab. Bei der Fougère-Familie sind es typischerweise Lavendel, Eichenmoos und Cumarin.

Beim Aufbau denken Parfümeure in Schichten: Kopfnoten (flüchtig, die ersten Minuten), Herznoten (der Charakter, über Stunden) und Basisnoten (schwer, haften am längsten). Mehr dazu findest du in unserem Lexikon zur Duftpyramide und den Duftnoten.

Vom Briefing zur Formel

Bei großen Marken beginnt ein Duft meist mit einem Briefing: Für wen ist er gedacht, welche Stimmung soll er transportieren? Die Parfümeurin erstellt daraufhin eine Formel – eine Liste aller Rohstoffe mit genauen Gewichtsanteilen. Davon entstehen Muster, die gerochen, verworfen und verändert werden. Bis zur endgültigen Fassung können Hunderte Versionen vergehen.

Jede Formel muss außerdem Sicherheitsregeln einhalten. Der Branchenverband IFRA legt Standards fest, welche Stoffe in welcher Menge verwendet werden dürfen, und in der EU regelt die Kosmetikverordnung unter anderem, dass bestimmte allergieauslösende Duftstoffe ab einer gewissen Menge auf der Verpackung genannt werden müssen. Deshalb findest du auf vielen Flakons Begriffe wie Linalool, Limonene oder Citral.

Mischen, Reifen, Filtern, Abfüllen

Steht die Formel, wird das Duftkonzentrat in größerer Menge angesetzt und mit Alkohol vermischt. Verwendet wird hochprozentiger Ethanol, der für Kosmetik meist vergällt ist, damit man ihn nicht trinken kann. Je nach Rezept kommt etwas destilliertes Wasser dazu.

Mazeration und Reifung

Frisch gemischt riecht ein Parfüm oft noch „kantig“, weil sich die Bestandteile erst miteinander verbinden müssen. Deshalb ruht die Mischung einige Wochen – dieser Schritt heißt Mazeration oder Reifung. Wie lange genau, hängt vom Hersteller und vom Duft ab; schwere, harzige Kompositionen profitieren meist von mehr Zeit.

Kühlen und Filtern

Nach der Reifung wird die Mischung gekühlt. Dabei fallen Wachse und andere schwer lösliche Bestandteile aus, die das Parfüm sonst später eintrüben könnten. Anschließend wird es gefiltert, bis es klar ist.

Abfüllen und Kontrolle

Zuletzt wird der Duft in Flakons gefüllt. Der Zerstäuber wird bei den meisten Flaschen fest aufgepresst („gecrimpt“) und lässt sich nicht mehr abschrauben. Vor dem Verkauf prüfen Hersteller Farbe, Geruch und Klarheit der Charge. Ein Parfüm verändert sich übrigens auch nach dem Kauf noch: Licht, Wärme und Luft setzen ihm zu, deshalb lagert es am besten kühl, dunkel und gut verschlossen.

Wenn du selbst mischen willst, findest du die Schritte für zu Hause in unserer Anleitung Parfüm selber herstellen, und was eine Parfumessenz ist, erklären wir separat.

Konzentrationen: Parfum, Eau de Parfum, Eau de Toilette

Die Bezeichnungen auf der Flasche sagen, wie viel Duftkonzentrat im Alkohol steckt. Wichtig zu wissen: Es gibt dafür keine verbindlichen gesetzlichen Grenzen. Die folgenden Werte sind gängige Richtwerte, einzelne Marken weichen davon ab.

BezeichnungDuftkonzentrat (Richtwert)Typische Wirkung
Parfum / Extrait de Parfumca. 20–30 %, teils mehrsehr intensiv, hält oft viele Stunden, wenig auftragen
Eau de Parfum (EdP)ca. 15–20 %kräftig und langanhaltend, die häufigste Form
Eau de Toilette (EdT)ca. 5–15 %leichter, frischer, kürzer haltbar auf der Haut
Eau de Cologne (EdC)ca. 2–5 %sehr leicht, oft zitrisch, nach kurzer Zeit verflogen
Eau Fraîcheca. 1–3 %hauchzart, eher Erfrischung als Parfüm

Mehr Konzentrat heißt nicht nur „lauter“. Ein Extrait wirkt oft runder und näher an der Haut, ein Eau de Toilette derselben Linie kann ganz anders gewichtet sein, weil Marken die Formel für jede Konzentration anpassen. Wie lange ein Duft hält, hängt außerdem stark von den Inhaltsstoffen ab: Zitrusnoten verfliegen schnell, Hölzer, Harze und Vanille bleiben lange.

Selbst ausprobieren

Willst du wissen, wie viel Duftöl du für 30 oder 50 ml Eau de Parfum brauchst? Unser Rechner zeigt dir die Mengen in Millilitern und Tropfen – aufgeteilt auf Kopf-, Herz- und Basisnoten.

Parfüm-RechnerFlakongröße und Stärke wählen – der Rechner sagt dir, wie viele Tropfen von jedem Duftöl hineingehören.

Die Geschichte des Parfums

Die Geschichte des Parfums ist mehrere Tausend Jahre alt. Schon das Wort verrät, wo sie beginnt: „Parfum“ geht auf das lateinische „per fumum“ zurück, „durch den Rauch“.

Antike: Ägypten und Mesopotamien

Die ältesten Düfte waren Räucherwerk. Harze wie Weihrauch und Myrrhe, Hölzer und Kräuter wurden in Tempeln verbrannt, um Göttern zu gefallen. Im alten Ägypten spielten Düfte im Kult, in der Körperpflege und beim Einbalsamieren eine große Rolle. Bekannt ist das Räucherwerk Kyphi, eine Mischung aus vielen Zutaten. Für die Haut nutzte man parfümierte Öle und Salben, denn Alkohol als Lösungsmittel kannte man noch nicht.

Auch in Mesopotamien war die Herstellung von Duftölen ein angesehenes Handwerk. Eine Keilschrifttafel aus der Zeit um 1200 v. Chr. nennt eine Parfümherstellerin namens Tapputi, die Blüten, Öle und Kalmus verarbeitete – sie gilt als eine der ersten namentlich überlieferten Chemikerinnen. Griechen und Römer übernahmen die Kunst; in Rom waren Duftöle für Bäder und Feste verbreitet.

Avicenna und die Destillation

Entscheidende Fortschritte kamen aus der arabisch-persischen Welt. Gelehrte beschäftigten sich systematisch mit Destillation, und der persische Arzt und Philosoph Ibn Sina, im Westen Avicenna genannt (980–1037), gilt als derjenige, der das Verfahren zur Gewinnung von Rosenöl und Rosenwasser entscheidend verfeinerte. Rosenwasser wurde zu einem begehrten Handelsgut. Über Handelswege und die Kontakte zur Zeit der Kreuzzüge gelangte das Wissen im Mittelalter nach Europa.

Das Ungarische Wasser

Als einer der ersten alkoholischen Düfte Europas gilt das „Ungarische Wasser“ aus dem 14. Jahrhundert, ein Destillat aus Rosmarin und Alkohol. Der Legende nach wurde es für eine Königin von Ungarn hergestellt. Ob die Geschichte stimmt, ist nicht belegt – sicher ist aber, dass Duftwasser auf Alkoholbasis von da an immer beliebter wurde, zunächst oft als Heil- und Pflegemittel.

Grasse und die Handschuhmacher

Die südfranzösische Stadt Grasse war ursprünglich für ihre Gerbereien und Lederwaren bekannt. Leder roch damals streng, und als parfümierte Handschuhe beim Adel in Mode kamen, begannen die Handschuhmacher, ihre Ware zu beduften. Daraus entstand der Beruf der Handschuhmacher-Parfümeure. Als die Lederproduktion an Bedeutung verlor, blieb der Duft: Das milde Klima rund um Grasse eignete sich hervorragend für Jasmin, Rosen, Tuberosen und Lavendel, und die Stadt wurde zum Zentrum der Parfümherstellung.

Eau de Cologne: Köln 1709

Ein wichtiges Kapitel spielt in Deutschland. 1709 gründete der aus Italien stammende Johann Maria Farina in Köln ein Geschäft, und sein leichtes, zitrisch-frisches Duftwasser benannte er nach seiner neuen Heimatstadt: Eau de Cologne, „Kölnisch Wasser“. Der Duft wurde an europäischen Höfen berühmt, und der Name ging später auf eine ganze Duftkategorie über. Bis heute steht „Eau de Cologne“ für einen leichten Duft mit wenig Konzentrat.

19. Jahrhundert: die Chemie verändert alles

Im 19. Jahrhundert lernte die Chemie, Duftmoleküle im Labor herzustellen. 1868 gelang die Synthese von Cumarin, dem heuartig-süßen Duft der Tonkabohne. 1874 folgte Vanillin, der Hauptduftstoff der Vanille – entwickelt von den deutschen Chemikern Ferdinand Tiemann und Wilhelm Haarmann. Plötzlich standen Düfte in großen Mengen und gleichbleibender Qualität zur Verfügung.

Parfümeure setzten die neuen Stoffe schnell ein. „Fougère Royale“ von Houbigant (1882) nutzte synthetisches Cumarin und gab der Fougère-Familie ihren Namen, „Jicky“ von Guerlain (1889) gilt als einer der ersten Düfte, die synthetische Stoffe bewusst prägend einsetzten. Damit begann die moderne Parfümerie.

1921: Chanel N°5 und die Aldehyde

1921 brachte Coco Chanel ihren ersten Duft heraus, komponiert von Ernest Beaux: Chanel N°5. Er war nicht der erste Duft mit Aldehyden, machte diese synthetischen Stoffe aber berühmt. In hoher Dosierung verleihen sie dem blumigen Herz einen strahlenden, fast seifig-funkelnden Glanz. N°5 zeigte, dass ein Parfüm nicht nach einer einzelnen Blume riechen muss, sondern ein abstraktes Kunstwerk sein kann – und dass ein Modehaus mit Duft Erfolg haben kann.

Parfümmarken und Hersteller heute

Wer nach Parfümmarken oder Parfumherstellern sucht, stößt auf eine Besonderheit: Die Marke auf dem Flakon ist selten die Firma, die den Duft komponiert und produziert. Viele Mode- und Designermarken vergeben Lizenzen an große Kosmetikkonzerne, die Entwicklung, Herstellung und Vertrieb übernehmen. Die eigentlichen Formeln stammen meist von wenigen großen, international tätigen Duftstoffherstellern, bei denen die Parfümeurinnen und Parfümeure angestellt sind.

Daneben gibt es Parfümhäuser, die traditionell eigene Hausparfümeure beschäftigen, und eine wachsende Szene kleiner unabhängiger Marken und Manufakturen, die man oft unter dem Begriff Nischenparfüm zusammenfasst. Welche Duftrichtung zu dir passt, ist ohnehin wichtiger als das Logo – unser Duft-Finder hilft dir dabei.

Der Flakon: Bedeutung und kurze Geschichte

Was ist ein Flakon? Das Wort kommt vom französischen „flacon“, „Fläschchen“. Im Deutschen sind beide Schreibweisen geläufig, Flakon und Flacon, und laut Duden darf man „der Flakon“ und „das Flakon“ sagen. Gemeint ist die Flasche, in der ein Parfüm verkauft wird – meist mit Zerstäuber und oft aufwendig gestaltet.

Schon im alten Ägypten wurden Duftöle in Gefäßen aus Stein, Ton und Glas aufbewahrt. Mit der Glasbläserei, die sich in der Antike verbreitete, wurden kleine Glasflaschen alltäglicher. Später waren Glas aus Venedig, Porzellan und geschliffenes Kristall begehrt. Anfang des 20. Jahrhunderts machte die Zusammenarbeit des Glaskünstlers René Lalique mit dem Parfümeur François Coty den Flakon zum Kunstobjekt, das in großer Stückzahl hergestellt werden konnte. Seitdem gehört das Design der Flasche fest zur Identität eines Duftes.

Ein guter Flakon ist mehr als Dekoration: Dunkles oder undurchsichtiges Glas schützt vor Licht, und ein fest sitzender Zerstäuber hält Luft fern. Ausgefallene Flakons mit Skulpturen, Tierköpfen oder Edelsteinoptik sind beliebte Sammelstücke – für die Haltbarkeit des Duftes zählt aber vor allem, wo die Flasche steht: nicht im warmen, hellen Badezimmer, sondern im kühlen Schrank.

Grasse heute

Grasse ist bis heute ein Herzstück der Parfümwelt. Rund um die Stadt werden noch immer Jasmin, Rosen (vor allem die Centifolia-Rose, auch Mairose genannt) und Tuberosen angebaut, und einige große Parfümhäuser lassen dort Blüten für ihre Düfte kultivieren. In der Stadt arbeiten Firmen, die Rohstoffe verarbeiten und Duftkompositionen entwickeln, und auch die Ausbildung zum Parfümeur ist in der Region verankert.

2018 hat die UNESCO das Wissen rund ums Parfüm im Pays de Grasse – Pflanzenanbau, Verarbeitung der Rohstoffe und die Kunst der Komposition – in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Wer die Stadt besucht, kann im Internationalen Parfümmuseum die Geschichte der Düfte entdecken, alte Destillierapparate sehen und bei Parfümhäusern an Führungen und Workshops teilnehmen, in denen man ein eigenes Parfüm zusammenstellt. Im Sommer feiert Grasse außerdem ein Jasminfest.

Ob in Grasse oder am eigenen Küchentisch: Am Ende entsteht jedes Parfüm aus denselben Grundideen – gute Rohstoffe, ein durchdachter Aufbau aus Kopf, Herz und Basis und genug Geduld beim Reifen.

Häufige Fragen

Wie wird Parfüm hergestellt?

Duftstoffe werden aus Blüten, Hölzern, Harzen oder Schalen gewonnen (etwa durch Wasserdampfdestillation, Kaltpressung oder Extraktion) oder synthetisch hergestellt. Daraus entsteht eine Formel, die mit Alkohol vermischt wird, einige Wochen reift, gekühlt, gefiltert und in Flakons abgefüllt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Eau de Parfum und Eau de Toilette?

Ein Eau de Parfum enthält meist mehr Duftkonzentrat (grob 15–20 %) als ein Eau de Toilette (grob 5–15 %) und hält deshalb in der Regel länger. Feste gesetzliche Grenzen gibt es dafür nicht, jede Marke legt die Werte selbst fest.

Was bedeutet Flakon?

Flakon (auch Flacon geschrieben) kommt vom französischen Wort für „Fläschchen“ und bezeichnet die meist kunstvoll gestaltete Flasche, in der ein Parfüm verkauft wird. Laut Duden ist sowohl „der“ als auch „das Flakon“ richtig.

Woher kommt das Wort Parfum?

Das Wort geht auf das lateinische „per fumum“ zurück, „durch den Rauch“. Die ältesten Düfte waren Räucherwerk aus Harzen und Kräutern, das bei Zeremonien verbrannt wurde.

Warum gilt Grasse als Welthauptstadt des Parfums?

Die südfranzösische Stadt war früher ein Zentrum der Lederverarbeitung, deren Handschuhmacher ihre Ware parfümierten. Aus diesem Handwerk und dem Blütenanbau in der Umgebung wuchs eine ganze Parfümindustrie; das Wissen rund ums Parfüm im Pays de Grasse ist seit 2018 immaterielles UNESCO-Kulturerbe.