Duftwissen
Duftnoten-Lexikon – von Bergamotte bis Vanille
Duftnoten sind die einzelnen Gerüche, aus denen ein Parfüm aufgebaut ist – etwa Bergamotte, Rose oder Sandelholz. Sie werden in der Duftpyramide nach ihrer Flüchtigkeit geordnet: Die Kopfnote riechst du in den ersten Minuten, die Herznote über Stunden, die Basisnote bis zum Schluss.
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Die Duftpyramide
Ein Parfüm riecht nicht von der ersten bis zur letzten Minute gleich. Es besteht aus Dutzenden, oft Hunderten Duftstoffen, und die verdunsten unterschiedlich schnell. Leichte Moleküle steigen sofort auf, schwere bleiben stundenlang auf der Haut. Um das anschaulich zu machen, beschreiben Parfümeure einen Duft als Pyramide mit drei Stufen. Das ist ein Modell – in Wirklichkeit gehen die Stufen fließend ineinander über.
Kopfnote
Die Kopfnote ist der erste Eindruck direkt nach dem Sprühen. Sie besteht aus leichten, flüchtigen Stoffen: Zitrusöle, Kräuter, leichte Früchte, Aldehyde. Grob gesagt riechst du sie in den ersten Minuten bis etwa einer halben Stunde. Sie entscheidet oft über den Kauf im Laden – sagt aber am wenigsten darüber, wie der Duft den Tag über riecht. Typische Kopfnoten sind Bergamotte, Zitrone, Grapefruit, Minze und rosa Pfeffer.
Herznote
Wenn die Kopfnote verflogen ist, tritt das Herz hervor. Hier sitzt der eigentliche Charakter eines Dufts, meist Blüten, Gewürze oder grüne Noten. Die Herznote prägt den Duft über mehrere Stunden. Nach ihr richtet sich auch die Einteilung in Duftfamilien. Typische Herznoten sind Rose, Jasmin, Orangenblüte, Lavendel, Zimt und Nelke. Sie sind kräftiger als die Kopfnoten und schlagen die Brücke von der frischen Eröffnung zur warmen Basis.
Basisnote
Die Basis besteht aus schweren, langsam verdunstenden Stoffen: Hölzer, Harze, Moschus, Vanille, Amber. Sie ist von Anfang an da, wird aber erst spät deutlich und bleibt am längsten – auf der Haut oft viele Stunden, auf Kleidung oder einem Papierstreifen nicht selten bis zum nächsten Tag. Basisnoten wirken zugleich als Fixateure: Sie bremsen die Verdunstung der leichteren Stoffe.
Am besten verstehst du die Pyramide, wenn du einen Duft auf einen Papierstreifen sprühst und mehrmals am Tag daran riechst. So erlebst du, wie er sich wandelt.
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Wie viel Kopf, Herz und Basis?
Feste Prozentzahlen gibt es nicht. Ein frischer Zitrusduft hat eine große Kopfnote, ein Amber-Duft eine breite Basis. Viele Anleitungen für Hobby-Parfümeure arbeiten trotzdem mit einem groben Richtwert von etwa 20–30 % Kopfnoten, 40–50 % Herznoten und 20–30 % Basisnoten. Das ist ein guter Startpunkt, kein Gesetz – Profis bauen Düfte nicht nach Prozentstufen, sondern nach Geruch.
Wichtig für alle, die selbst mischen: Ätherische Öle und Duftstoffe gehören nie pur auf die Haut, sondern immer verdünnt in Alkohol oder Öl. Mach vorher einen kleinen Hauttest in der Armbeuge, und halte Alkohol fern von offenem Feuer. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit empfindlicher Haut gilt: erst ärztlichen Rat einholen.
Parfüm-RechnerFlakongröße und Stärke wählen – der Rechner sagt dir, wie viele Tropfen von jedem Duftöl hineingehören.Zitrusnoten
Zitrusnoten sind die typischen Kopfnoten. Fast alle werden durch Kaltpressung der Fruchtschale gewonnen. Sie riechen hell und frisch, verfliegen aber schnell. Mehr zur Familie unter Zitrus-Düfte.
Bergamotte
Die Bergamotte ist eine kleine, grüngelbe Zitrusfrucht, die zum größten Teil in Kalabrien in Süditalien angebaut wird. Ihr Schalenöl riecht frischer als Zitrone und zugleich weicher und leicht blumig – wer Earl-Grey-Tee kennt, kennt den Geruch. Bergamotte ist eine der wichtigsten Noten überhaupt: Sie steckt in Kölnisch Wasser, in fast jedem Chypre und vielen Fougères. Das natürliche Öl enthält Bergapten, das die Haut in der Sonne lichtempfindlich macht. Die Parfümerie verwendet deshalb meist ein davon befreites Öl („FCF“).
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Lavendel, Neroli, Eichenmoos, Rose, Vetiver.
Zitrone
Zitronenöl aus der Schale riecht spritzig, sauer und sehr sauber – kaum eine Note wirkt so schnell erfrischend, und kaum eine verfliegt so schnell. Deshalb wird Zitrone fast immer mit haltbareren Stoffen gestützt. Ihr Hauptbestandteil Limonen und der Duftstoff Citral gehören zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen. In der Parfümerie steht Zitrone selten allein: Sie bringt in Kölnisch Wasser, Herrendüften und Sommerparfüms den ersten Frischekick.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Rosmarin, Minze, Ingwer, Zeder.
Orange
In der Parfümerie unterscheidet man die süße Orange, deren Schalenöl saftig und fröhlich riecht, und die Bitterorange, deren Schale herber ist. Die Bitterorange ist ein besonders ergiebiger Baum: Aus ihren Blüten entstehen Neroli und Orangenblüten-Absolue, aus Blättern und Zweigen das grün-holzige Petitgrain. Süßes Orangenöl wirkt heiter und passt nicht nur in Sommerdüfte, sondern auch in warme Winterdüfte mit Zimt und Nelke.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Vanille, Zimt, Nelke, Orangenblüte.
Mandarine
Mandarinenöl riecht süßer und runder als Orange, mit einem leicht blumigen, fast parfümierten Unterton. Je nach Erntezeitpunkt unterscheidet man grüne, gelbe und rote Mandarine: grüne ist spritziger und herber, rote süßer und voller. Mandarine macht einen Auftakt freundlich und weich und ist in Damen- wie Herrendüften beliebt. Wie alle Zitrusöle wird sie durch Kaltpressung der Schale gewonnen und verfliegt schnell.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Neroli, Jasmin, Vanille, Basilikum.
Grapefruit
Grapefruit riecht bitter-frisch, saftig und etwas herb. Typisch ist ein leicht schwefliger, fast tropischer Unterton, der sie lebendiger macht als Orange oder Zitrone. Ein wichtiger Bestandteil ist Nootkaton, das auch künstlich hergestellt wird und der Note mehr Halt gibt. Ein Parfüm mit Grapefruit wirkt sportlich und modern, deshalb taucht sie besonders oft in Herren- und Sportdüften auf, aber auch in frischen Sommerdüften für Damen.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Vetiver, rosa Pfeffer, Minze, Rhabarber, Zeder.
Blütennoten
Blüten bilden das Herz der meisten Parfüms. Einige lassen sich gewinnen – durch Wasserdampfdestillation (ätherisches Öl) oder Extraktion mit Lösungsmitteln (Absolue) –, andere geben ihren Duft nicht preis und werden aus Einzelstoffen nachgebaut. Zur Familie: blumige Düfte.
Rose (Damaszener Rose)
Die Damaszener Rose wird vor allem im bulgarischen Rosental um Kasanlak und in der Türkei angebaut. Die Blüten werden früh am Morgen von Hand gepflückt, weil sie dann am stärksten duften. Durch Wasserdampfdestillation entsteht Rosenöl, durch Lösungsmittel-Extraktion das Rosen-Absolue. Für ein Kilogramm Öl braucht es mehrere Tonnen Blütenblätter – daher der hohe Preis. Rose riecht je nach Herkunft frisch-zitronig, honigartig oder würzig, fast nach Wein. Neben der Damaszener Rose ist die Zentifolie aus Grasse und Marokko wichtig.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Oud, Patchouli, Himbeere, Sandelholz, rosa Pfeffer.
Jasmin
Für die Parfümerie zählen zwei Arten: Jasminum grandiflorum, früher berühmt aus Grasse, heute vor allem aus Indien und Ägypten, und Jasmin Sambac aus Indien, der grüner und fruchtiger riecht. Die Blüten werden in der Morgendämmerung gepflückt und zu Absolue verarbeitet. Jasmin duftet süß, warm und üppig, dazu kommt eine leicht animalische Seite durch den Stoff Indol. Fast jeder große Blumenduft enthält etwas Jasmin.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Rose, Orangenblüte, Sandelholz, Vanille, Bergamotte.
Orangenblüte
Die Blüten der Bitterorange liefern gleich zwei Rohstoffe. Neroli entsteht durch Wasserdampfdestillation und riecht frisch, grün und leicht honigartig – ein Klassiker im Kölnisch Wasser. Orangenblüten-Absolue wird mit Lösungsmitteln gewonnen und riecht süßer, schwerer und sinnlicher, mit einer warmen, leicht animalischen Note. Als Nebenprodukt der Destillation fällt Orangenblütenwasser an, das auch in der Küche verwendet wird. Wichtige Anbauländer sind Tunesien, Marokko und Ägypten. Ein Parfüm mit Orangenblüte wirkt hell, sauber und zugleich festlich – nicht ohne Grund gilt die Blüte traditionell als Brautblume.
Rolle: Herznote (Neroli auch Kopfnote). Passt gut zu: Jasmin, Vanille, Bergamotte, weißer Moschus.
Tuberose
Die Tuberose stammt ursprünglich aus Mexiko und wird heute vor allem in Indien angebaut. Mit der Rose hat sie trotz des Namens nichts zu tun: „tuberosa“ heißt auf Latein „knollig“, weil die Pflanze aus einer Knolle wächst. Ihr Duft ist einer der intensivsten der Parfümerie – cremig, buttrig, honigsüß, mit einem Hauch Kokos und einer leicht gummiartigen, kühlen Note. Das Absolue ist sehr teuer. Berühmtestes Beispiel ist „Fracas“ von Robert Piguet (1948).
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Jasmin, Orangenblüte, Kokos, Vanille, Ylang-Ylang.
Ylang-Ylang
Ylang-Ylang ist die Blüte des Cananga-Baums, der vor allem auf den Komoren, Mayotte und Madagaskar wächst. Das Öl wird in Abschnitten destilliert: Die ersten, feinsten Anteile heißen „Extra“, danach folgen die Qualitäten I, II und III. Der Duft ist süß, cremig und exotisch, mit Noten von Banane, Vanille und einem leicht würzigen Unterton. In kleinen Mengen gibt Ylang-Ylang vielen Blumendüften Fülle.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Jasmin, Tuberose, Sandelholz, Vanille, Kokos.
Iris
Bei der Iris duftet nicht die Blüte, sondern der Wurzelstock. Klassisch ist die „Florentiner Iris“ (Iris pallida und Iris germanica) aus der Toskana. Die Rhizome werden geschält, getrocknet und mehrere Jahre gelagert; erst dabei bilden sich die duftenden Irone. Durch Destillation entsteht die wachsartige Irisbutter. Iris gehört zu den teuersten Rohstoffen überhaupt und riecht pudrig, kühl, leicht nach Veilchen, Karotte und Erde. Sie ist das Herz fast aller pudrigen Düfte.
Rolle: Herz- bis Basisnote. Passt gut zu: Veilchen, Zeder, Moschus, Leder, Mandarine.
Veilchen
Aus Veilchenblüten wird praktisch kein Duftstoff gewonnen, weil der Ertrag zu gering ist. Der typische süße, pudrige Veilchenduft stammt aus den Iononen, die Ferdinand Tiemann und Paul Krüger 1893 entdeckten. Aus den Blättern dagegen wird Veilchenblätter-Absolue gewonnen, das ganz anders riecht: grün, nach Gurke und frisch geschnittenem Gras. Beide Facetten werden in Parfüms oft kombiniert.
Rolle: Herznote (Veilchenblatt eher Kopfnote). Passt gut zu: Iris, Rose, Himbeere, Leder.
Maiglöckchen
Maiglöckchen gehört zu den „stummen“ Blüten: Ihr Duft lässt sich nicht brauchbar gewinnen, er wird immer nachgebaut. Lange waren dafür die Stoffe Lilial und Lyral unverzichtbar; beide sind in der EU inzwischen in Kosmetik verboten. Heute arbeiten Parfümeure mit Hydroxycitronellal und neueren Molekülen. Der Duft ist frisch, grün, hell und fast wässrig – der Inbegriff eines Frühlingsdufts. Klassiker ist „Diorissimo“ von Dior (1956).
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Rose, Jasmin, grüne Noten, Zitrus, weißer Moschus.
Osmanthus
Osmanthus ist ein Strauch aus China, dessen winzige, gelb-orange Blüten im Herbst blühen. In China werden sie seit langem zum Aromatisieren von Tee und Süßspeisen genutzt. Wie riecht Osmanthus? Vor allem nach reifer Aprikose und Pfirsich, dazu nach Leder, Tee und ein wenig nach Rauch. Das Absolue ist teuer und wird meist sparsam eingesetzt; oft wird Osmanthus mit Stoffen aus der Gruppe der Lactone und Iononen verstärkt.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: grüner Tee, Leder, Iris, Pfirsich, Sandelholz.
Kirschblüte
Japanische Kirschblüten duften selbst nur sehr zart, ein Extrakt wird nicht gewonnen. Kirschblüten-Parfüms bauen den Eindruck nach: leicht blumig, mit einem Hauch Mandel und Kirsche, oft mit Rose, Heliotrop und weichem Moschus. Das Ergebnis ist eher Stimmung als Abbild – zart, rosig, frühlingshaft. Kirschblüten-Düfte sind vor allem im Frühling beliebt und meist leicht und zurückhaltend angelegt.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Mandel, Rose, weißer Moschus.
Geißblatt
Geißblatt (Lonicera), auch Jelängerjelieber genannt, duftet vor allem abends stark, um Nachtfalter anzulocken. Ein Extrakt ist im Handel praktisch nicht zu bekommen, deshalb wird die Note nachgebaut. Sie riecht nach Nektar und Honig, ähnlich wie Jasmin, aber grüner und leichter. Im Garten rankt Geißblatt an Zäunen und Hauswänden; im Parfüm sorgt es für einen sommerlichen, gartenfrischen Eindruck.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Jasmin, Orangenblüte, Pfirsich, grüne Noten.
Lotus
Die Lotusblume (Nelumbo nucifera) ist in Asien ein Symbol für Reinheit. Es gibt zwar ein Lotus-Absolue, es ist aber selten; die meisten Lotusnoten sind Fantasie-Akkorde. Sie riechen leicht, wässrig, etwas grün und pudrig und passen deshalb gut in aquatische und transparente Blumendüfte. Lotusnoten sind typisch für leichte Frühlings- und Sommerdüfte, die frisch, aber nicht süß wirken sollen.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Wassermelone, grüner Tee, Moschus, Bergamotte.
Fruchtnoten
Außer bei Zitrusfrüchten lässt sich aus Obst kaum ein brauchbarer Duftstoff gewinnen. Pfirsich, Himbeere oder Melone im Parfüm sind deshalb fast immer aus Einzelstoffen zusammengesetzt. Zur Familie: fruchtige Düfte.
Pfirsich
Der Pfirsichduft im Parfüm beruht vor allem auf Gamma-Undecalacton, das in der Branche aus historischen Gründen „Aldehyd C-14“ heißt, obwohl es chemisch gar kein Aldehyd ist. Es riecht samtig, saftig und cremig. Berühmt wurde die Note durch „Mitsouko“ von Guerlain (1919). Pfirsich macht Blumendüfte weicher und wärmer.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Rose, Osmanthus, Jasmin, Eichenmoos, Moschus.
Himbeere
Himbeernoten entstehen hauptsächlich aus Himbeerketon, ergänzt durch Iononen, die einen veilchenartigen Unterton beisteuern – tatsächlich riechen auch echte Himbeeren leicht nach Veilchen. Ein Parfüm mit Himbeere wirkt süß, saftig und leicht marmeladig. Mit Rose und Patchouli ergibt sich ein modernes, dunkleres Bild, mit Vanille eine Gourmand-Richtung. Himbeere taucht häufig in fruchtigen Damendüften auf, gelegentlich auch in Herrendüften.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Rose, Veilchen, Patchouli, Vanille.
Cassis
Cassis ist die Schwarze Johannisbeere. Verwendet wird vor allem das Absolue aus ihren Knospen, das traditionell aus Burgund kommt. Es riecht fruchtig, grün und herb, dazu kommt eine schweflige Note, die manche an Katze erinnert – in der richtigen Dosis macht genau sie die Frische lebendig. Cassis gibt Blumen- und Chypre-Düften einen saftigen, säuerlichen Akzent.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Rose, Bergamotte, Patchouli, Veilchen.
Pflaume
Pflaumennoten werden aus Lactonen und fruchtigen Rosenstoffen (Damascone) aufgebaut. Sie riechen dunkel, reif und etwas likörartig. „Femme“ von Rochas (1944) machte die Pflaume im Chypre berühmt. Heute steht sie oft in herbstlichen Damendüften neben Rose, Patchouli und Amber. Die Note wirkt samtig und gibt Düften Tiefe – eher eine Frucht für kühle Tage als für den Hochsommer.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Rose, Patchouli, Zimt, Amber.
Feige
Feigennoten verbinden drei Eindrücke: das grüne, milchige Feigenblatt, das holzige Holz des Baums und die süße, cremige Frucht. Es gibt ein Feigenblatt-Absolue, der Großteil wird jedoch nachgebaut. Ein bekannter Vorreiter ist „Premier Figuier“ von L’Artisan Parfumeur (1994). Feige wirkt mediterran, entspannt und leicht kokosartig. Feigendüfte sind ideal für alle, die Frische mögen, aber keine typischen Zitrusnoten.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Zeder, Kokos, Bergamotte, grüne Noten.
Ananas
Ananasnoten entstehen aus fruchtigen Estern wie Allylcapronat. Sie riechen süß-säuerlich, saftig und sonnig. In Herrendüften verbindet man Ananas gern mit Birke, Moschus und Hölzern, in Damendüften eher mit Blüten und Vanille. Zu viel davon wirkt schnell bonbonhaft. Gut dosiert bringt sie einen sonnigen, tropischen Akzent, der besonders im Sommer gefällt.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Bergamotte, Moschus, Patchouli, Zeder.
Wassermelone
Der Wassermelonen-Duft hängt eng mit dem Riechstoff Calone zusammen, der zugleich nach Meeresbrise und Melone riecht. Ergänzt wird er oft mit Melonal und grünen Noten. Ein Parfüm mit Wassermelone wirkt wässrig, kühl und leicht süß – ein typischer Sommerduft und Bestandteil vieler aquatischer Düfte. Die Note hält nicht lange und wird deshalb meist mit Moschus oder hellen Hölzern verankert.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Lotus, Minze, Zitrus, Moschus.
Kokos
Echtes Kokosöl riecht im Parfüm zu schwach. Der typische Kokosduft stammt meist aus Gamma-Nonalacton, das – genauso irreführend wie beim Pfirsich – „Aldehyd C-18“ genannt wird. Kokos riecht cremig, milchig und erinnert viele an Sonnencreme und Urlaub. Weiße Blüten wie Tuberose und Ylang-Ylang haben selbst eine Kokosfacette, deshalb harmonieren sie besonders gut damit.
Rolle: Herz- bis Basisnote. Passt gut zu: Tuberose, Vanille, Ylang-Ylang, Sandelholz.
Grüne Noten und Kräuter
Grüne und aromatische Noten bringen Frische, die herber und natürlicher wirkt als Zitrus. Sie stammen aus Blättern, Kräutern und Harzen. Zur Familie: grüne Düfte und Fougère.
Lavendel
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) wächst in höheren Lagen, berühmt ist die Provence; heute ist aber auch Bulgarien ein großer Erzeuger. Der Hybrid Lavandin bringt mehr Ertrag, riecht aber kampferartiger und schärfer. Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen und riecht frisch, kräuterig, blumig und leicht süß. Lavendel ist das Rückgrat aller Fougère-Düfte und damit vieler klassischer Herrendüfte; in modernen Parfüms wird er oft mit Vanille süßer und weicher gemacht. Sein Hauptbestandteil Linalool gehört zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Bergamotte, Tonkabohne, Eichenmoos, Vanille, Zeder.
Minze
Pfefferminze riecht dank Menthol kühl und scharf, die grüne Minze (Spearmint) dagegen süßer und weicher, eher nach Kaugummi – verantwortlich ist dort vor allem Carvon. In Parfüms wird Minze sparsam eingesetzt, damit sie nicht nach Zahnpasta riecht. Richtig dosiert gibt sie einem Duft einen kühlen, belebenden Start. Neben Zitrus gehört Minze zu den Noten, die Sommer- und Sportdüfte sofort frisch machen.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Zitrone, Grapefruit, Lavendel, Vetiver.
Grüner Tee
Ein Parfüm mit grünem Tee riecht selten nach einer Tasse Tee. Teeblatt-Extrakte gibt es zwar, sie sind aber teuer und schwierig. Die meisten Teenoten sind Akkorde aus Bergamotte, Hedion, Linalool und grünen Stoffen. Das Ergebnis wirkt leicht, transparent, leicht herb und beruhigend. Als Wegbereiter gilt „Eau Parfumée au Thé Vert“ von Bulgari (1992), komponiert von Jean-Claude Ellena. Seitdem sind Teedüfte – grün, weiß oder schwarz – ein fester Bestandteil leichter Sommer- und Bürodüfte.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Bergamotte, Jasmin, Osmanthus, Zitrus, Moschus.
Galbanum
Galbanum ist das Gummiharz eines Doldenblütlers (Ferula), der vor allem im Iran wächst. Es riecht intensiv grün, bitter, harzig und ein wenig nach frischer Paprika. Schon in kleinsten Mengen färbt es einen Duft grün. Galbanum ist die Signatur klassischer grüner Düfte wie „Vent Vert“ von Balmain und „Chanel N°19“. Weil es so kräftig ist, wird es meist nur in Spuren verwendet.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Iris, Hyazinthe, Eichenmoos, Bergamotte.
Muskatellersalbei
Muskatellersalbei (Salvia sclarea) riecht kräuterig, leicht nach Tee und Heu, mit einer warmen, fast amberartigen Tiefe. In Fougère-Düften verbindet er Lavendel und Hölzer. Aus der Pflanze wird außerdem Sclareol gewonnen, ein wichtiger Ausgangsstoff für den Ambra-Riechstoff Ambroxan. Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus dem blühenden Kraut gewonnen. Im Parfüm wirkt er herb und erdend.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Lavendel, Bergamotte, Labdanum, Vetiver.
Hölzer, Wurzeln und Moose
Holzige Noten bilden die Basis der meisten Parfüms. Sie halten lange und geben einem Duft Struktur. Zur Familie: holzige Düfte.
Sandelholz
Sandelholz-Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus dem Kernholz älterer Bäume gewonnen. Die berühmteste Qualität ist ostindisches Sandelholz (Santalum album) aus der Gegend um Mysore in Indien; nach jahrzehntelanger Übernutzung ist es streng reguliert und knapp. Heute kommt viel aus Plantagen in Australien, dazu das trockenere Westaustralische Sandelholz. Sandelholz riecht weich, cremig, milchig und leicht süß – wie warme Haut. Weil es so gut haftet, ist es eine der wichtigsten Basisnoten. Viele Sandelholz-Düfte nutzen zusätzlich synthetische Stoffe wie Javanol oder Sandalore. Dass Sandelholz als sinnlich gilt, liegt an diesem warmen, hautnahen Charakter, nicht an einer nachgewiesenen Wirkung.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Rose, Jasmin, Vanille, Iris, Kardamom.
Adlerholz (Oud)
Adlerholz, arabisch Oud, stammt von Bäumen der Gattung Aquilaria in Südostasien. Wird ein Baum verletzt und von bestimmten Pilzen befallen, bildet er zur Abwehr ein dunkles, duftendes Harz im Holz. Nur dieses harzgetränkte Holz ist wertvoll. Wilde Bestände sind stark übernutzt und durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt; heute wird Adlerholz auch auf Plantagen gezielt erzeugt. Oud-Öl riecht dunkel, holzig, rauchig, ledrig und leicht animalisch. In westlichen Parfüms steckt meist ein nachgebauter Oud-Akkord, weil das echte Öl extrem teuer ist.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Rose, Safran, Amber, Sandelholz, Weihrauch.
Zeder
Unter „Zedernholz“ laufen in der Parfümerie mehrere Hölzer: die echte Atlas-Zeder aus Marokko und die Virginia- und Texas-Zeder, die botanisch eigentlich Wacholder sind. Gemeinsam ist ihnen ein trockener, sauberer Geruch nach Bleistiftspänen. Zeder ist günstig, verlässlich und gibt Düften ein ruhiges, gerades Gerüst. Sie ist ein häufiger Partner von Iris und Vetiver und steckt in sehr vielen modernen Herren- wie Damendüften.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Iris, Vetiver, Zitrus, Lavendel.
Vetiver
Vetiver ist ein Gras, dessen Wurzeln ein dickflüssiges Öl liefern. Die wichtigsten Herkünfte sind Haiti, Java und Réunion („Bourbon-Vetiver“). Die Wurzeln werden ausgegraben, getrocknet und destilliert. Der Geruch ist erdig, holzig und rauchig, Haiti-Vetiver dazu frisch mit einem Hauch Grapefruit, Java-Vetiver dunkler und rauchiger. Vetiver gilt als typische Herrennote, ist aber ein Unisex-Stoff und steckt auch in vielen Damendüften. Klassiker ist „Vétiver“ von Guerlain (1959).
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Grapefruit, Iris, Zeder, Bergamotte, Tabak.
Patchouli
Patchouli ist eine Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, die heute vor allem in Indonesien angebaut wird. Die Blätter werden getrocknet und leicht fermentiert, dann destilliert. Das Öl riecht erdig, feucht-holzig, leicht kampferartig und hat eine dunkle Kakao-Facette; mit dem Alter wird es runder. Patchouli war Duft der Hippie-Zeit, ist aber auch das Fundament von Chypres und vielen Gourmands wie „Angel“ von Thierry Mugler.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Rose, Vanille, Schokolade, Bergamotte, Amber.
Kaschmirholz
Einen Kaschmirholz-Baum gibt es nicht. Die Note geht auf den synthetischen Riechstoff Cashmeran zurück, der holzig, moschusartig, warm und leicht würzig riecht – weich wie ein Wollpullover, daher der Name. Kaschmirholz verbindet Hölzer mit Moschus und macht eine Basis kuschelig. Die Note ist in modernen Damendüften ebenso verbreitet wie in Unisex-Düften.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Vanille, weißer Moschus, Amber, Iris.
Eichenmoos
Eichenmoos ist eigentlich eine Flechte (Evernia prunastri), die auf Eichen wächst. Das Absolue riecht nach feuchtem Waldboden, Tinte, Meeresalgen und etwas Leder. Ohne Eichenmoos gäbe es weder den klassischen Chypre noch den Fougère. Weil es bekannte Kontaktallergene enthält, ist es stark reguliert; die besonders problematischen Bestandteile Atranol und Chloratranol sind in der EU in Kosmetik verboten. Heute wird behandeltes, schadstoffarmes Moos oder ein Ersatz verwendet.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Bergamotte, Labdanum, Patchouli, Lavendel.
Harze und Balsame
Harze geben Düften Wärme, Süße und enorme Haltbarkeit. Sie sind das Herzstück der Amber-Familie.
Amber
Amber ist kein Rohstoff, sondern ein Akkord, also eine feste Mischung. Klassisch besteht er aus Labdanum, Benzoe und Vanille, oft ergänzt durch Tolubalsam oder Styrax. Er riecht warm, harzig, süß und pudrig. Mit Bernstein, auf Englisch ebenfalls „amber“, hat er nichts zu tun – fossiler Bernstein riecht kaum. Verwechslungsgefahr besteht auch mit Ambra, einem Stoff aus dem Pottwal (siehe unten). Ein Parfüm mit Amber wirkt gemütlich, sinnlich und eignet sich besonders für Herbst und Winter.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Vanille, Rose, Zimt, Patchouli, Oud.
Labdanum
Labdanum ist das klebrige Harz der Zistrose, eines Strauchs aus dem Mittelmeerraum; heute stammt es vor allem aus Spanien. Früher wurde es auf Kreta mit Lederriemen aus den Zweigen und sogar aus den Bärten weidender Ziegen gekämmt. Es riecht warm, ledrig, honigartig und balsamisch und ist die Grundlage fast jedes Amber-Akkords und vieler Chypres.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Vanille, Eichenmoos, Weihrauch, Rose.
Benzoe
Benzoe ist das Harz von Styrax-Bäumen aus Südostasien. Die Sorte aus Siam (Laos, Thailand, Vietnam) riecht weich nach Vanille und Karamell, die aus Sumatra harziger und herber. Benzoe rundet Düfte ab und macht sie warm und süßlich, ohne nach Dessert zu riechen. Als Resinoid wird es mit Lösungsmitteln aus dem Harz gewonnen und wirkt zugleich als Fixateur.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Vanille, Labdanum, Rose, Zimt.
Weihrauch
Weihrauch (Olibanum) ist das Harz von Boswellia-Bäumen aus Oman, Jemen, Somalia und Indien. Das Öl riecht überraschend frisch – zitronig, pfeffrig, harzig –, das Resinoid tiefer und rauchiger, wie in einer Kirche. Weihrauch macht Düfte erhaben und kühl-meditativ. Er wird seit Jahrtausenden bei religiösen Ritualen verbrannt und gehört damit zu den ältesten Duftstoffen der Menschheit.
Rolle: Kopf- bis Basisnote. Passt gut zu: Rose, Oud, Labdanum, Zeder, Pfeffer.
Gewürznoten
Gewürze bringen Wärme oder prickelnde Frische. Sie werden meist sparsam eingesetzt, weil sie schnell dominieren und einige als Allergene gelten.
Pfeffer
Schwarzer Pfeffer liefert ein Öl, das trocken, frisch und holzig riecht, ohne zu brennen. Rosa Pfeffer ist botanisch kein Pfeffer, sondern stammt vom Pfefferbaum (Schinus); er riecht fruchtig, rosig und leicht pfeffrig. Beide machen den Auftakt lebendiger. Beide werden in Damen- wie Herrendüften eingesetzt, rosa Pfeffer besonders gern zusammen mit Rose.
Rolle: Kopfnote. Passt gut zu: Rose, Grapefruit, Weihrauch, Zeder.
Kardamom
Kardamom-Öl aus den Samen riecht frisch-würzig, leicht nach Eukalyptus und zugleich warm und süßlich. Es schlägt eine Brücke zwischen frischen und warmen Noten und ist in modernen Herrendüften beliebt. Die Samenkapseln stammen von einer Ingwerpflanze, die vor allem in Indien und Guatemala angebaut wird. Schon wenig davon macht einen Duft lebendig und hell.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Sandelholz, Lavendel, Bergamotte, Tabak.
Zimt
Zimt kommt als Öl aus der Rinde oder den Blättern des Zimtbaums. Das Rindenöl riecht süß, warm und intensiv nach Weihnachtsgebäck. Sein Hauptstoff Zimtaldehyd kann die Haut stark reizen und ist deshalb nur in kleinen Mengen erlaubt. In Winterdüften ist Zimt ein Klassiker, oft zusammen mit Orange und Vanille. Richtig dosiert wirkt er gemütlich statt aufdringlich.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Orange, Vanille, Amber, Nelke.
Nelke
Im Deutschen meint „Nelke“ zweierlei: die Gewürznelke und die Gartennelke. Die Gewürznelke liefert ein Öl mit viel Eugenol, das warm, würzig und etwas medizinisch riecht. Der Duft der Gartennelke wird mit genau diesem Eugenol nachgebaut – deshalb riechen beide ähnlich. Eugenol ist ein kennzeichnungspflichtiges Allergen. Im Parfüm gibt Nelke vor allem Rosen- und Amber-Düften eine würzige Wärme.
Rolle: Herznote. Passt gut zu: Rose, Zimt, Vanille, Orange.
Safran
Safran, die Narbe des Safrankrokus, riecht ledrig, honigartig, leicht metallisch und nach Heu. Echter Safran ist für Parfüm meist zu teuer; die Note wird mit Safranal oder ähnlichen Stoffen nachgebaut. Safran ist der klassische Begleiter von Oud und Rose. Gerade in Düften mit arabischem Einfluss ist das Trio Safran, Rose und Oud sehr verbreitet.
Rolle: Kopf- bis Herznote. Passt gut zu: Oud, Rose, Leder, Amber.
Süße und Gourmand-Noten
Süße Noten machen Düfte weich, warm und tröstlich. Viele davon sind aus der Küche bekannt. Zur Familie: Gourmand-Düfte.
Vanille (Bourbon-Vanille)
Vanille ist die Frucht einer Orchidee, die ursprünglich aus Mexiko stammt. „Bourbon-Vanille“ ist die Bezeichnung für Vanille aus Madagaskar, Réunion (früher Île Bourbon) und den Komoren. Die grünen Schoten riechen kaum; erst durch wochenlanges Fermentieren und Trocknen entsteht das Aroma. Für Parfüm wird daraus ein Absolue oder CO₂-Extrakt gewonnen, der neben Süße auch holzige, rauchige und leicht ledrige Noten hat. Der Hauptduftstoff Vanillin wird seit 1874 auch künstlich hergestellt und ist viel günstiger. Ein Parfüm mit Vanille und Tonkabohne gehört zu den beliebtesten Kombinationen überhaupt.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Tonkabohne, Sandelholz, Amber, Orangenblüte, Rum.
Tonkabohne
Die Tonkabohne ist der Samen eines Baums aus dem nördlichen Südamerika. Sie enthält viel Cumarin und riecht deshalb süß nach Vanille, frischem Heu, Mandel und etwas Tabak. Als Absolue oder in Form von Cumarin ist sie ein Grundbaustein der Fougère-Düfte und vieler Gourmands. Tonka ist trockener und weniger cremig als Vanille – zusammen ergänzen sich beide perfekt. Tonkabohnen-Parfüms gibt es für Damen wie für Herren, bei Herren oft mit Lavendel oder Tabak.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Vanille, Lavendel, Tabak, Mandel, Amber.
Mandel
Der typische Marzipan- und Bittermandelgeruch stammt von Benzaldehyd. Natürliches Bittermandelöl enthält giftige Blausäure und wird deshalb nur gereinigt oder gar nicht verwendet; meist kommt synthetisches Benzaldehyd zum Einsatz. Eine weichere, pudrige Mandelnote liefert Heliotropin, das nach der Heliotrop-Blüte benannt ist. Mandelnoten wirken gemütlich, in kleiner Menge aber auch elegant und pudrig.
Rolle: Herz- bis Basisnote. Passt gut zu: Kirschblüte, Vanille, Tonkabohne, Iris.
Schokolade
Schokoladen- und Kakaonoten entstehen aus Kakao-Absolue oder werden nachgebaut; Patchouli hat selbst eine Kakao-Facette und verstärkt sie. Ergänzt um karamellige Stoffe wie Ethylmaltol entsteht der typische Gourmand-Eindruck. Gute Schokoladennoten riechen eher nach dunklem Kakao als nach Süßigkeit. Schokoladennoten passen vor allem in Herbst- und Winterdüfte. Zu viel davon kippt schnell ins Süßliche, deshalb wird sie meist mit herben Noten ausbalanciert.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Patchouli, Vanille, Orange, Kaffee.
Animalische Noten und Moschus
Früher stammten einige wichtige Basisnoten von Tieren: Moschus vom Moschustier, Zibet von der Zibetkatze, Castoreum vom Biber, Ambra vom Pottwal. Heute werden sie fast ausschließlich synthetisch ersetzt – aus Tierschutz- und Artenschutzgründen und weil die Ersatzstoffe gleichmäßiger sind.
Moschus
Echter Moschus stammt aus einer Drüse des männlichen Moschustiers, einer Hirschart aus Asien. Er ist streng geschützt und spielt in der Parfümerie praktisch keine Rolle mehr. Stattdessen gibt es synthetische Moschusstoffe in mehreren Gruppen, etwa die makrozyklischen Moschusstoffe, die dem natürlichen Vorbild am nächsten kommen. Pflanzliche Moschusnoten liefern Ambrettesamen. Moschus riecht warm, hautnah, sauber oder animalisch, je nach Stoff. Übrigens: Manche Menschen riechen bestimmte Moschusstoffe kaum oder gar nicht.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: fast allem, besonders Blüten, Hölzern und Vanille.
Weißer Moschus
„Weißer Moschus“ ist kein bestimmter Stoff, sondern eine Bezeichnung für helle, saubere synthetische Moschusnoten. Sie riechen nach frisch gewaschener Wäsche, weicher Haut und Baumwolle – ohne die animalische Seite. Weißer Moschus macht Düfte sanft und lässt sie lange nah an der Haut bleiben. Er ist auch die Grundlage vieler „Clean“-Düfte und von Wäscheparfüm.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Iris, Maiglöckchen, Orangenblüte, Kaschmirholz.
Ambra
Ambra (Ambergris) entsteht im Verdauungstrakt von Pottwalen und treibt, manchmal jahrelang, auf dem Meer, wo es an Sonne und Salzwasser reift. Gealtertes Ambra riecht süßlich, salzig, holzig und tabakartig. Der Handel ist je nach Land eingeschränkt. In der Parfümerie wird es fast immer durch Ambroxan und ähnliche Stoffe ersetzt. Ambra wird an Stränden oder auf dem Meer gefunden; Wale müssen dafür nicht getötet werden.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Moschus, Hölzer, Meeresnoten, Labdanum.
Wildleder und Leder
Klassische Ledernoten waren rauchig und herb, oft mit Birkenteer, wie man ihn vom Juchtenleder kennt. Wildleder ist die weiche Variante: samtig, leicht pudrig, oft mit einem Hauch Aprikose oder Safran. Aufgebaut wird es aus Moschus, Iris und speziellen Lederstoffen. Die Leder-Familie ist in der französischen Einteilung eine eigene Hauptfamilie.
Rolle: Basisnote. Passt gut zu: Iris, Veilchen, Safran, Osmanthus, Oud.
Synthetische Duftstoffe
„Synthetisch“ klingt nach Ersatz, doch ohne künstlich hergestellte Riechstoffe gäbe es die moderne Parfümerie nicht. Sie ermöglichen Noten, die die Natur nicht hergibt (Maiglöckchen, Meer, Pfirsich), schonen bedrohte Arten wie Sandelholz und Moschustier und sorgen für gleichbleibende Qualität. Fast jedes heutige Parfüm ist eine Mischung aus natürlichen und synthetischen Stoffen. Fünf, die du kennen solltest:
Iso E Super
Ein holziger Riechstoff aus den 1970er-Jahren, samtig, leicht zedernartig und kaum greifbar. Er gibt Düften Volumen und Ausstrahlung. Bekannt wurde er auch als Einzelduft „Molecule 01“ von Escentric Molecules. Viele Menschen riechen ihn nur schwach, andere sehr deutlich.
Ambroxan
Ambroxan ist ein Hauptgeruchsträger von gealtertem Ambra und wird meist aus Sclareol hergestellt, das aus Muskatellersalbei stammt. Er riecht warm, holzig, mineralisch und leicht salzig. Heute steckt er in sehr vielen Herrendüften. Wie Iso E Super gibt es ihn auch pur als Einzelduft („Molecule 02“).
Hedion
Hedion ist mit einem Duftstoff des Jasmins verwandt. Er riecht leicht, luftig und zart blumig, fast nach Tee. Prominent eingesetzt wurde er erstmals in „Eau Sauvage“ von Dior (1966); seitdem ist er aus der Parfümerie kaum wegzudenken. Er macht Blumendüfte heller und lässt Zitrusnoten strahlen.
Cumarin
Cumarin kommt natürlich in der Tonkabohne und in Waldmeister vor und wurde 1868 von William Henry Perkin erstmals synthetisch hergestellt. Es riecht nach Heu, Vanille und Mandel und ist der Grundstein der Fougère-Düfte. Cumarin ist ein kennzeichnungspflichtiges Allergen. Weil es günstig herzustellen ist, steckt es heute in sehr vielen Parfüms, auch außerhalb der Fougère-Familie.
Vanillin
Vanillin ist der Hauptduftstoff der Vanille. Ferdinand Tiemann und Wilhelm Haarmann stellten ihn 1874 erstmals künstlich her. Er riecht süßer und eindimensionaler als echte Vanille, ist aber viel günstiger und wird in fast allen Gourmand-Düften eingesetzt. Sein Verwandter Ethylvanillin riecht noch deutlich stärker. Aus der ersten Vanillin-Fabrik in Holzminden ging später ein großer Duftstoffhersteller hervor.
Allergene und Kennzeichnung
Manche Duftstoffe können bei empfindlichen Menschen Kontaktallergien auslösen – egal ob sie natürlich oder synthetisch sind. In der EU müssen bestimmte Duftstoffe deshalb einzeln auf der Verpackung stehen, wenn sie eine festgelegte Menge überschreiten. Typische Namen sind Limonene, Linalool, Citral, Geraniol, Citronellol, Coumarin und Eugenol. Lange umfasste die Liste 26 Stoffe; eine 2023 beschlossene EU-Verordnung hat sie auf rund 80 Stoffe erweitert, mit Übergangsfristen bis 2028. Für alle gilt: Neues Parfüm erst an einer kleinen Hautstelle testen und bei Rötung oder Juckreiz nicht weiter verwenden. Die Internationale Riechstoffvereinigung IFRA legt zusätzlich Höchstmengen für viele Stoffe fest.
Häufige Fragen
Was sind Kopfnote, Herznote und Basisnote?
Das sind die drei Stufen der Duftpyramide. Die Kopfnote aus leichten, schnell verdunstenden Stoffen prägt die ersten Minuten, die Herznote den eigentlichen Charakter über mehrere Stunden, die Basisnote aus schweren Stoffen bleibt am längsten auf der Haut.
Wie riecht Sandelholz?
Sandelholz riecht weich, cremig und milchig mit einer leicht süßen, warmen Holznote – ganz anders als trockenes Zedernholz. Im Parfüm bildet es meist die Basis.
Wie riecht Osmanthus?
Osmanthus duftet nach reifer Aprikose und Pfirsich, dazu kommen eine Note von Leder und von Tee. Die Blüte stammt aus China und wird dort auch zum Aromatisieren von Tee verwendet.
Was ist Adlerholz (Oud)?
Adlerholz ist das Harz-getränkte Kernholz bestimmter Aquilaria-Bäume aus Südostasien, das sich bildet, wenn der Baum verletzt und von Pilzen befallen wird. Es riecht dunkel, holzig, rauchig und leicht animalisch und gehört zu den teuersten Rohstoffen der Parfümerie.
Wie riecht Tonkabohne?
Tonkabohne riecht süß nach Vanille, Heu, Mandel und ein wenig nach Tabak. Verantwortlich ist vor allem der Stoff Cumarin, den die Bohne in großer Menge enthält.
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